Krebsassoziierten Fatigue Syndrom
Neue therapeutische Perspektiven durch Amerikanischen Ginseng
Krebspatienten können im Laufe ihrer Erkrankung an einen Punkt völliger körperlicher, emotionaler und/oder geistiger Erschöpfung kommen. Fehlender Antrieb, anhaltende Müdigkeit und Kraftlosigkeit, die in keinem Verhältnis zu vorangegangenen körperlichen oder geistigen Anstrengungen stehen, sind durch Schlaf und Erholungsphasen nicht mehr auszugleichen. Außerdem können Konzentrationsschwäche und Gedächtnis-probleme hinzukommen. Oft hält dieser Zustand wochenlang an, was das gesellschaftliche, berufliche und ganz persönliche Alltagsleben zusätzlich er-schwert. Dennoch gibt es Möglichkeiten, mit diesem Syndrom, das als tumorbedingte Fatigue bezeichnet wird, zurechtzukommen. Eine neue Medikationsstrategie stellt die Anwendung von Amerikanischen Ginseng (Panax quinquefolium) dar, wie neuere Untersuchungen der renommierten Mayo-Klinik aus den USA belegen. Darüberhinaus besitzen Ginsengderivate interessante antikanzerogene Effekte unter anderem aufgrund des Einflusses auf die Neovascularisation und die Angiogenese .
Zur Entstehung von Fatigue existieren unterschiedliche Theorien. So wird diskutiert, dass die anhaltende chronische Belastung durch die Krebserkrankung und der damit verbundene seelische und körperliche Stress Lebensenergie verbrauchen und aufzehren. Ebenso werden Stoffwechselveränderungen oder Schädigungen des Nervensystems in Betracht gezogen. Möglicherweise ist auch eine Kombination ver-schiedener Faktoren ursächlich für das Erschöpfungssyndrom. In jedem Fall scheinen sowohl die Krebserkrankung an sich, als auch Chemotherapie, Bestrahlung und ziel-gerichtete Therapien Fatigue auslösen zu können. Diese Therapien greifen meist nicht nur Krebsgewebe an, sondern schädigen auch gesunde Zellen. Oft wird die Zusammensetzung des Blutes verändert, es kommt zu einem Mangel an gesunden Blutzellen mit einer verminderten Abwehrbereitschaft des Körpers, erhöhten Blutungsneigung und Blutarmut (Anämie). Infolge einer Anämie wiederum werden die Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, was den Organismus schwächt. Anämie gilt deshalb als einer der möglichen Auslöser beim Fatigue-Syndrom. Weitere Ursachen könnten Mangelernährung, Hormonstörungen, Schlafprobleme, Medikamentenneben-wirkungen und psychische Folgen der Krebsdiagnose sein.
Wie stark eine Fatigue die Menschen belastet, verdeutlicht eine Befragung von 576 Krebspatienten in Großbritannien. Sie zeigt, dass mit 58 Prozent (332 von 576) deutlich mehr Patienten von Fatigue betroffen waren als etwa von Angst (202), Haarausfall (143), Schmerz (128), Erbrechen (104) oder Diarrhö (81). Doch Fatigue war nicht nur häufiger, sie war auch belastender als andere Symptome. So erklärte mehr als die Hälfte der Befragten, dass die chronische Erschöpfung ihr tägliches Leben am meisten beeinflusst. Dagegen berichtete nur jeder Zehnte, dass Schmerz sein größtes Problem sei. 5 Prozent litten am meisten unter Übelkeit und Erbrechen.
Weitere Patientenumfragen ergaben, dass rund 71 Prozent der Betroffenen sich selbst bei alltäglichen Verrichtungen wie Hausarbeit oder Einkaufen stark beeinträchtigt fühlen. Vier von zehn können sich nur noch sehr schwer um ihre Familie kümmern, und nahezu jeder Dritte beklagt Probleme mit der Sexualität (1). Zugleich hat Fatigue auch ökonomische Konsequenzen. So sind 71 Prozent der Patienten jeden Monat mindestens einen Tag in der Woche arbeitsunfähig und 28 Prozent müssen ihre Arbeit ganz aufgeben.
Fast alle Krebspatienten sind betroffen
Zeitweise leiden nahezu alle Krebspa¬tienten unter einer Fatigue . Eine hohe Inzidenz findet man bei Menschen mit Leukämie, Magen- und Darmtumoren sowie Mammakarzinom. Während und nach einer Behandlung steigt die Zahl der Betroffenen. Über Wochen und Monate kann der Zustand der körperlichen und seelischen Erschöpfung anhalten. Eine Studie des Universitätsklinikums Leipzig mit rund 1500 Patienten und 27 unterschiedlichen Krebserkrankungen zeigt, dass ein Drittel der Patienten bereits bei der stationären Aufnahme in einer Klinik unter den typischen Beschwerden einer Fatigue leidet. Während des Aufenthalts verstärkt sich die Prävalenz deutlich. So sind am Tag der Entlassung im Durchschnitt vier von zehn Krebspatienten betroffen (2). Vor allem junge Menschen sind beeinträchtigt. Mehr als die Hälfte der Unter-40-Jährigen zeigen am Tag der Klinikaufnahme die typischen Anzeichen von chronischer Müdigkeit und Erschöpfung. Bei den Über-60-Jährigen ist nur jeder fünfte Patient betroffen. Die Ursache ist noch unklar. Möglich ist etwa, dass jüngere Menschen den Unterschied zwischen ihren bisherigen Energiereserven und der durch die Krankheit verminderten Kraft deutlich stärker wahrnehmen als Ältere.
Trotz ihrer Bedeutung für die Betroffenen wird die Krebs-assoziierte Fatigue kaum beachtet und nur selten behandelt. Patienten und Ärzte betrachten sie eher als ein Phänomen, das es zu ertragen gilt, denn als Symptom, das diagnostiziert und behandelt werden kann (3).
Fakten zu Ginseng
Die Ginsengwurzel (Panax ginseng) gehört hinsichtlich ihrer pharmakologischen Effekte in die Gruppe der Adaptogene, d.h. sie steigert die Fähigkeit zur Abwehr von Stressoren und vermittelt eine bessere Anpassung an außergewöhnliche Belastungen. In China erfreut sich die getrocknete Wurzel seit Jahrtausenden einer großen Beliebtheit , die die "kollabierten Lebensgeister" stärkt, die Energie bei körperlicher und geistiger Ermüdung steigert, sowie belebt, erfrischt und widerstandsfähig macht. Diese Indikationen sind nahezu deckungsgleich mit dem, was in der Neuzeit als "Fatigue" Eingang in die medizinische Nomenklatur gefunden hat. Im nördlichen und mittleren Teil von Nordamerika ist Panax quinquefolius beheimatet, der Amerikanische Ginseng. In der renommierten Mayo Klinik, Rochester in den USA wurde ein statistisch signifikanter positiver Effekt von Amerikanischem Ginseng (Wisconsin) auf das "Krebs- assoziierte Fatigue-Syndrom" nachgewiesen. Hinzu kommt, dass die antikanzerogenen Wirkungen sowie die gute Verträglichkeit Ginseng zu neuen Kandidaten bzw. Prototypen von Zytostatika der Zukunft machen.
Begrenzte Therapiemöglichkeiten
Fatigue kann die Lebensqualität von Tumorpatienten ganz erheblich einschränken. Tumorzellen können Zytokine produzieren, die an der Pathogenese des Erschöpfungs-syndroms beteiligt sind. Ferner sind es die Nebenwirkungen der Chemotherapeutika, die als Ursache für das Krebs-assoziierte Fatigue gelten. Zeitweise leiden fast alle Krebspatienten darunter. Die Zahl nimmt unter einer Chemotherapie zu. Für ein Viertel der Patienten ist die tumorbedingte Fatigue ein Langzeitproblem (4). Das Arsenal zur Therapie ist sehr beschränkt. Es gibt bisher keine Standardtherapie, sondern nur eine symptomatische Behandlung. Bisher sind Methylphenidat, Corticosteroide, anabole Steroide, L-Carnithin, Modafinil und Amantidin, das Wirksamkeit bei Multipler Sklerose assoziiertem Fatigue gezeigt hat, eingesetzt worden. Doch es gibt nur wenige placebokontrollierte Studien und die Substanzen, bei denen Studien bestehen, zeigten sich als wenig hilfreich bzw. wiesen keine Praktikabilität auf (5). Auch gibt es Versuche mit dem künstlichen Antikörper und Krebsmedikament Rituximab, worunter eine deutliche Besserung der Symptome beschrieben worden ist. Das Mittel weist allerdings mitunter schwere Nebenwirkungen auf und ist für die Behandlung von CFS in Deutschland nicht zugelassen.
Die Studie der Mayo -Klinik
In einer Multicenter, doppelblinden und randomisierten Studie wurden insgesamt 364 Probanden, d.h. Patienten die eine Krebserkrankung überlebt haben und an Fatigue litten mit 2000 mg Amerikanischem Ginseng (Panax quinquefolius) gegen Placebo über 8 Wochen behandelt. Hintergrund der Studie war, den Effekt von Ginseng gegenüber Krebs-assoziierten Fatigue zu testen. Die Häufigkeit ist bei Patienten nach einer Chemotherapie zwischen 59 und 96 %, bei Patienten nach Bestrahlung zwischen 65 und 100 %. Fatigue kann 5-10 Jahre nach Diagnose und Therapie anhalten mit einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität, so die Mediziner der Mayo-Klinik.

